Zwischen Atmosphäre und Silberkristall

Ich bewege mich in einem ständigen Spagat zwischen Architektur und Fotografie. Für mich sind das keine getrennten Welten – beide Disziplinen suchen nach dem gleichen Kern: der Atmosphäre.

Angefangen hat alles mit einer alten Nikon Point & Shoot meines Vaters, die ich vor zwei Jahren im Schrank gefunden habe. Dieser Fund war der Auslöser für eine Leidenschaft, die mich seitdem nicht mehr loslässt. Heute ist die analoge Fotografie für mich weit mehr als ein Hobby; sie ist mein Werkzeug, um Licht und Raum bewusster wahrzunehmen aber auch meine Zuflucht aus dem stressigen Studenten-Alltag. Ob mit der Leica, dem 6x7 Mittelformat oder meiner Polaroid SX-70 – mich fasziniert das mechanische Erlebnis und die ganz eigene Charakteristik jeder Kamera. Ich wähle mein Werkzeug gezielt aus, um genau das Gefühl und die Atmosphäre einzufangen, die der Moment verlangt.

In der Dunkelkammer habe ich eine ganz andere Seite der Fotografie für mich entdeckt. Weg vom rein Visuellen, hin zum echten fotografischen Handwerk. Wenn ich meine Schwarz-Weiß-Abzüge am Vergrößerer mache, habe ich die volle Kontrolle über das Bild – ganz ohne Photoshop, ohne Software und ohne binären Code - einfach nur das Licht von Silber zu Silber. Es ist ein physischer Prozess, bei dem ich das mache, was andere heute am Bildschirm erledigen. Diese haptische Arbeit an Masterprints bis zu 40x50 cm verlangt eine Präzision und Geduld, die ich eins zu eins in meine Entwürfe für das Architektur-Studium mitnehme.

Im Architekturstudium an der FHDortmund begreife ich das Entwerfen vor allem als einen offenen Prozess. Ich bin niemand, der sich schnell mit der erstbesten Lösung zufrieden gibt; ich probiere lieber in unzähligen Skizzen und Modellen aus, wie Licht und Schatten einen Raum wirklich verändern können. Dabei geht es mir weniger um die perfekte Konstruktion als vielmehr um die richtige Atmosphäre. Dass ich dabei ein gutes Gespür für Stimmungen und Räume entwickle, ist ein Feedback, das ich auch im Studium von meinen Professoren oft mitnehme – und das mich antreibt, bei jedem Projekt noch tiefer in die Materie einzutauchen.

Am Ende suchen beide Disziplinen für mich nach demselben Ziel: dem Einfangen und Erschaffen von Momenten. Ob in der Architektur durch das Zusammenspiel von Materialität, Textur und Schatten oder in der Fotografie durch das Warten auf das richtige Licht – sei es die pralle Mittagssonne, die sanfte goldene Stunde oder das weiche Grau eines Wolkenhimmels. Es geht mir darum, Atmosphären nicht nur abzubilden, sondern sie spürbar zu machen. Dieses Gespür für den Moment ist mein roter Faden – in der Fotografie genauso wie in der Architektur.